Eine andere Seite von Südafrika

18.10.2016 - Die Ferien hörten aber nach Port Alfred und Grahamstown für uns noch nicht auf. Spannendes lässt sich ja auch in Alexandria erleben. Zunächst bekamen wir Besuch von Agnes und Franzi. Mit ihnen hatten wir einige interessante Ausflüge geplant.

Eine ehemalige Lehrerin unserer Schule hatte angeboten, uns die Xhosa-Kultur ein wenig vorzustellen. Über das Angebot freuten wir uns sehr und nahmen es natürlich sofort an, aber ganz nach südafrikanischer Art stellte sich erst am Abend vorher heraus, dass dies im Nachbarort stattfinden sollte und wir überhaupt keine Möglichkeit hatten dort hin zu kommen. Spontan und auf den letzten Drücker konnten wir noch ein privates Taxi organisieren, wobei das Auto eher weniger verkehrstauglich war. In Kenton angekommen mussten wir erst einmal ein wenig vor der Location/Township warten, da wir, wie immer, zu früh waren. Als wir endlich abgeholt wurden führte uns die Lehrerin ein wenig durch die Siedlung und erzählte uns über einige Xhosa-Traditionen.

161006_Township-5.jpg161006_Township-8.jpgBekannt ist dieses Volk zum Beispiel für ihre tollen und aufwendigen Handarbeiten mit kleinen Perlen. So gibt es für jedes Alter und Geschlecht verschiedene Ketten, wobei auch Anzahl und Farbe der Perlen die Bedeutung verändern kann. Aber es werden auch Schüsseln und Behälter aus den Perlen oder bunten Drähten hergestellt. Das durften wir auch versuchen, als wir der Familie der Lehrerin vorgestellt wurden. Allerdings ist diese Handarbeit viel schwieriger als es aussieht und wir scheiterten alle. Dafür probierten wir die traditionelle Kleidung der Xhosa, mit langen Röcken und Tüchern, sowie den riesigen Ketten an. Das hat wirklich Spaß gemacht, obwohl wir die Attraktion für die Familie waren.

Weiter ging es zu einem Seniorentreff, wo ältere Damen und Herren sich treffen und weiterbilden können. In dem kleinen Raum spielten und sangen die Menschen und wir wurden sehr herzlich begrüßt. Uns wurde auch eine Sporteinheit der Senioren gezeigt, die aus einem Tanz auf die Melodie von Bruder Jacob bestand und bei der es wirklich sehr lustig zuging.

Anschließend wurde uns ein Häuseraufbauprojekt gezeigt. Anstatt der üblichen Wellblechhütten, die auf den anderen Flächen standen werden von der Regierung kleine Häuser gebaut, die ein besseren Lebensstil versprechen. Wir bekamen auch die Möglichkeit uns diese Häuser anzusehen. Sie bestehen aus einem kleinen Badezimmer, einem größeren Wohnraum mit einer Küchenzeile und zwei kleinen Schlafzimmern. Verglichen mit den kleinen Häusern, die wir zuvor gesehen haben, waren die Häuser wirklich schön. Ein übliches  Wohnhaus für eine Familie besteht aus drei kleinen Räumen und oft einer Kuh, die im Vorgarten angebunden ist.

161006_Township-2.jpgUnd dann ging es im Taxi weiter zum nächsten Township. Weil das Taxi nur für 5 Personen Platz hatte, wir aber zu sechst waren stapelten wir uns auf die Rückbank. Kaum angekommen lernten wir eine Familie kennen, die uns die Wellblechhütte zeigten in der sie wohnten. Es ist erstaunlich, wie riesig die Unterschiede sind unter denen die Menschen leben und welches Leben sie führen.  In diesem Land herrscht große Armut, verglichen mit dem Reichtum, den man direkt daneben findet.

Als Gastgeschenk schlug uns die Lehrerin vor, etwas aus dem Supermarkt mitzubringen. Aber was schenkt man da? Lange liefen wir durch den Supermarkt, bis wir uns für eine buntgemischte Tüte Lebensmittel entschieden. Dieser Tag war wirklich sehr eindrucksvoll und ich habe Südafrika von einer ganz anderen Seite kennengelernt.

Die Möglichkeit für einen zweiten Besuch in einem Township hatten wir in der ersten Woche nach den Ferien. Diesmal wurde uns Kwanonqubela, das Township in unserer Nähe gezeigt. Wir wurden zu einer kleinen Einrichtung für Menschen mit Behinderung geführt. Die Einrichtung besteht aus nur einem kleinen Raum und es gibt nicht viele Möglichkeiten der Beschäftigung, aber die Menschen werden von einer sehr lieben Dame betreut, die sich viel Mühe gibt und mit ihnen zum Beispiel einen Gemüsegarten angelegt hat.

161006_Township-7.jpgAußerdem bekamen wir Einblicke in den Bau eines Recycling-Centers, dass bis Juli fertig gestellt werden soll und etwas gegen das Müllproblem in Südafrika bewirken soll. Sonst liefen wir durch die Straßen und schauten uns um, wobei wir so gut wie möglich versuchten den vielen Kühen auszuweichen. Immer wieder wurde der Mann, der uns herumführte gefragt, was er denn mit den Weißen hier wolle. Das war schon ein bisschen komisch, aber so lernten wir sehr viele neue Menschen kennen.

Townships werden oft als Orte dargestellt, die von Armut und Kriminalität geprägt sind. Tatsächlich ist die Kriminalitätsrate sehr hoch und auch die Armut spielt nach wie vor eine sehr große Rolle, aber diese Orte sind noch viel mehr und nicht nur durch und durch hoffnungslose Plätze. Tatsächlich entscheiden sich heute auch viele Südafrikaner freiwillig dafür dort zu leben, da sie diese als Teil ihrer Kultur, Identität und Herkunft ansehen.