Erste Arbeitstage

17.08.2016 - Jetzt hat mein Freiwilligendienst tatsächlich begonnen. Die Schule, an der Becci und ich arbeiten ist klein. Es gibt drei Klassen, die einmal die Kinder der ersten bis dritten Klassen, der vierten bis sechsten Klassen und alles darüber umschließen. Daneben gibt es auch einen Kindergarten und eine Gruppe für U3-Kinder.

Am Montag war mein erster richtMeine Schuleiger Arbeitstag und Becci und ich wurden direkt von allen Lehrerinnen herzlich begrüßt und aufgenommen. Auch die Schüler verhalten sich sehr respektvoll und freundlich uns gegenüber, obwohl es mir zunächst schwer fiel mich gegenüber den Schülern als Autorität zu fühlen, denn direkt am ersten Tag wurden Becci und ich zu den Ältesten geschickt, die nur ein paar Jahre jünger sind als wir. Dazu kommt, dass in einem anderen System gelernt wird. Jeder Schüler arbeitet für sich in seinem Heft und muss seine Resultate mit den Lösungen vergleichen und sich selbst korrigieren. Meine Aufgabe ist dabei, die Schüler abzuhören, ihre Lösungen zu unterstreichen und ihre Fortschritte und Hausaufgaben in Ordner zu übertragen. Das war am Anfang sehr verwirrend, denn ich kannte viele Kürzel und Zeichen natürlich nicht. Trotz meiner anfänglichen Überforderung sollte ich mir meine Unsicherheit nicht anmerken lassen, damit bloß kein Schüler auf die Idee käme meine Unwissenheit auszunutzen. Zum Glück habe ich das dann relativ schnell verstanden, sodass ich schon am Nachmittag nicht mehr nur in der Gegend rumstand und bei jeder Kleinigkeit nachfragen musste, sondern schon wirklich helfen konnte und am Dienstag stellten die meisten Aufgaben schon kein Problem mehr dar. Die Schüler und Schülerinnen tragen übrigens eine Schuluniform und sind viel höflicher zu ihren Lehrerin als die Schüler in Deutschland, sie müssen immer fragen, wenn sie aufstehen müssen um ihre Ergebnisse mit den Lösungen zu kontrollieren und auch, ob sie sich wieder hinsetzen dürfen. Außerdem werde ich hier Miss Nele genannt, was sich, dank der Aussprache und des Dialektes eher nach Miss Neili anhört und immer noch komisch für mich ist.

Becci und ich dürfen im Moment noch durch alle Klassen schnuppern, damit wir nächste Woche schauen, wo wir endgültig landen. Deshalb war ich heute schon bei den Mittleren. Das System ist das gleiche und trotzdem gestaltet sich der Unterricht anders. Die Schüler sind viel quirrliger und nicht so ruhig und wollen noch ihre Grenzen austesten.

160815_Alexandria_02.jpgNachmittags unterstützen wir jetzt, anders als es eigentlich geplant war, nicht die Hausaufgabenbetreuung, die zurzeit nicht stattfindet, sondern das Nachmittagsprogramm, das sich so ähnlich wie ein offener Ganztag oder ein Hort gestaltet. Dort spielen die Kinder von 3 Monaten bis 12 Jahren, bis sie von ihren Eltern abgeholt werden können. Am liebsten schmuse ich mit den Jüngeren dabei, denn nach dem Wusel in der Schule ist man zur Zeit noch echt müde und das ist eine schöne Art wieder runterzukommen. Aber auch alle anderen Kinder sind sehr herzlich und haben uns schon vom ersten Tag an umarmt und wollen uns nachmittags, wenn wir vor ihnen nach Hause gehen nicht gehen lassen.

Neben der Schule beginnen wir uns auch so langsam einzuleben. Heute war die erste Afrikaansstunde angesagt, die wir bei einer sehr lieben älteren Schriftstellerin nehmen. Leider sind wir dabei noch nicht über die Geschichte des Afrikaans und das Alphabet, mit besonderer Betrachtung des Buchstabens A hinaus gekommen, aber es hat trotzdem viel Spaß gemacht und man hat das Gefühl etwas wirklich sinnvolles zu lernen, denn es sprechen zwar alle Englisch und auch mit den Schülern wird Englisch gesprochen, aber trotzdem sprechen sehr viele muttersprachlich Afrikaans und auch die Lehrerinnen untereinander sprechen Afrikaans.

Auch das WG Leben läuft gut. Abgesehen von einer Auseinandersetzung mit einer riesigen Kakerlake, was hier wohl normal ist, leben wir uns mittlerweile ein und machen die Wohnung zu einem Zuhause. Wir haben begonnen zu dekorieren und kennen uns schon ganz gut in der Nachbarschaft aus und sind sehr nett aufgenommen worden.