Ist denn schon Weihnachten?

05.11.2016 - Die Frage, ob denn schon Weihnachten sei stellt sich Becci und mir in letzter Zeit öfter. Schon seit Mitte Oktober liefen die Vorbereitungen für das große Weihnachtsbankett der Schule. Es wurden kleine Theaterstücke einstudiert und Weihnachtslieder geübt. In der letzten Woche wurde dann die Halle der Schule in weihnachtlichem rot und grün dekoriert, die Kunstprojekte der Schüler wurden aufgehangen und Tische wurden hin und her gerückt. Die Nervosität stieg als es dann auf den Abend des Banketts hin ging.

bankett_tisch.jpgAm Donnerstag war es dann endlich soweit. Der eigentliche Anlass des Abends war die Übergabe der Preise und Anerkennung besonderer Leistungen, die im Laufe des Schuljahres erreicht wurden, sei es schulische, sportliche oder künstlerische Leistungen. So wurde jeder Schüler einzeln nach vorne auf die Bühne gerufen und auch mit einer Charakterauszeichnung geehrt. Neben der Charakterauszeichnung, die ein besonderen Charakterzug der Schüler ehrte („ehrlich“, „freundlich“, „hilfsbereit“ usw) gab es auch andere Preise, die in Deutschland so nicht vorkommen. Die größte charakterliche und spirituelle Entwicklung wurde so zum Beispiel geehrt und die Schulsprecher genannt, die nämlich nicht gewählt sondern ernannt werden. Außerdem wurden die Vorschüler, die im Januar eingeschult werden geehrt und dafür in süße schwarze Roben gesteckt.

Und dann waren wir mit dem Chor dran. Am Tag zuvor hatten wir uns spontan entschieden, doch noch ein Lied mehr zu singen, dass ich ihnen erst neu beigebracht hatte. Es war ein Risiko, da dass Lied nicht besonders einfach war. Trotz kleiner Probleme meisterte der Chor das Hindernis sehr gut und die anderen Lieder waren ja sowieso kein Problem.

In der Pause gab es dann für die Eltern, Großeltern und Gäste Cupcakes und Häppchen, während wir den Kindern beim umziehen für die Aufführungen halfen.

Zunächst waren die Kindergartenkinder dran, die kleine Tänze und Lieder aufführten. Die jüngsten waren grade zwei oder drei Jahre alt und tanzten eine weihnachtliche Form des Hockey Pockeys. Außerdem blieb vor allem die Aufführung von „Five little Santas were jumping in the snow“ allen im Ohr.

Dann war meine Klasse dran. Seit Wochen hatte ich mit ihnen verschiedene Weihnachtslieder einstudiert, die sie nun als Hirten und Engel verkleidet ganz stolz ihren Familien präsentieren durften. Das klappte wirklich gut und alle waren sehr stolz auf sich. Die High School Schüler führten ein Theaterstück auf und die 4. und 5. Klässler suchten in ihrer Aufführung nach dem perfekten Geschenk für Weihnachten, was natürlich Jesus selbst war. Am Ende sangen alle gemeinsam „Stille Nacht“.

Es war ein wirklich schöner, aber auch anstrengender Abend. Doch auch, wenn es wirklich sehr schön war, weihnachtliche Stimmung hatte ich nicht. Daran konnten die wunderschönen Plakate, auf denen ein verschneiter Tannenwald und Rentiere abgebildet waren, als auch die weihnachtliche Deko oder die Musik nichts ändern. Mal davon abgesehen, dass es hier im Eastern Cape weder verschneite Tannenwälder (vor allem nicht im Frühling), noch Rentiere gibt. Außerdem stimmten auch die Temperaturen natürlich überhaupt nicht, abgesehen davon, dass es erst Anfang November ist.