Unterwegs in Tansania und Ruanda

21.07.2017 - Meine Reise nach Tansania begann mit einem Unfall. Kaum war ich in das Minibustaxi von Alexandria nach Port Elizabeth gestiegen, fuhr uns ein anderes Auto noch auf dem Parkplatz an.

Juli_2017_6859.jpgZum Glück passierte nichts und es wurde auch niemand verletzt, trotzdem verbrachten wir dadurch noch eine ganze Weile auf dem Parkplatz. Da mein Flug nach Dar es Salaam erst am nächsten morgen ging hatte ich den Resttag in PE zur Verfügung, um mich noch ein letztes mal mit Freunden zu treffen. Am nächsten Tag um 4 Uhr hieß es dann vom Hostel aus zu starten. Natürlich war ich total müde. Dementsprechend war ich um so mehr gestresst, als ich bemerkte, dass das Hostel abgeschlossen war und ich über den Hinterhof mitsamt Rucksack ausbrechen musste, um meinen Flug nicht zu verpassen. Niemand war dort, der mir die Tür zu dieser Zeit aufschließen konnte.

Zehn Stunden später stand ich mitten in Dar es Salaam auf einer Brücke und wartete auf Lucca. Natürlich hatte ich keinen Handyempfang mit meiner südafrikanischen Sim-Karte und eine tansanische hatte ich noch nicht. Und natürlich tauchte Lucca nicht zur verabredeten Zeit auf. Zum Glück hatte ihr Bus nur eine Stunde Verspätung und nach einer angespannten dreiviertel Stunde gelangten wir endlich zum Hostel. Abends gingen wir noch essen. Dar es Salaam kam mir super laut und hektisch, auch ein bisschen chaotisch vor und ich war froh, dass Lucca wusste wohin wir mussten.

Am nächsten Tag ging es zu Lucca nach Iringa. In der Woche in Iringa lernte ich Luccas Leben, ihre Arbeit und die Menschen dort kennen. Wir feierten ihren Geburtstag und ich begleitete sie zur Uni, wo sie deutsch unterrichtet. Sie zeigte mir die Stadt und wir stiegen auf den Berg hinter ihrem Haus.

Tansania ist ein wunderschönes Land mit netten Menschen.

Nach einer knappen Wochen in Iringa stand der zweite Abschnitt unserer Reise an. Doch was wollten wir uns ansehen? Auf jedenfall eine andere Stadt. Warum nicht gleich ein anderes Land, haben wir uns gedacht. Und ehe wir uns versahen, saßen wir im Hochgeschwindigkeits-Coaster nach Dodoma, der statt vier Stunden stolze 6 1/2 Stunden brauchte. Da wir durch diese Verspätung eindeutig unseren Anschlussbus verpassen würden, stellten wir uns bereits auf einen Tag in Dodoma ein. Glücklicherweise hatte jedoch der Trinitybus nach Kigali ebenfalls Verspätung, sodass wir ihn knapp bekamen. Unser Ziel stand also fest: Kigali, die Hauptstadt Rwandas.
Wegen des Nachtfahrverbots verbrachten wir die Nacht im Reisebus auf dem Busstendy in Kahama und erreichten Kigali erst am nächsten Tag, also 33 Stunden nach dem Verlassen Iringas.

Juli_2017_6989.jpgDas besondere an diesem Städtetripp war die Tatsache, dass Lucca und ich die Stadt durch unsere unterschiedlichen Erfahrungen in Tanzania und Südafrika mit unterschiedlichen Augen sahen. Kigali kam uns beiden für seine Größe extrem ruhig vor. Außerdem waren unsere Anlaufpunkte über das ganze Stadtgebiet verteilt, sodass wir die Motorradtaxis, die hier Motos genannt werden, nutzten. Unterschlupf fanden wir bei einer Freiwilligen, die wir beide zuvor unabhängig von einander, zu dem Zeitpunkt ohne Reiseabsichten kennengelernt hatten. Dies war für uns ein richtiger Glücksfall, da sie uns nicht nur wertvolle Insider-Tips gab, sondern wir auch viel Zeit mit ihr verbringen konnten und sie uns unter anderem auch ihr Projekt zeigte. Doch zuerst machten wir die Stadt unsicher, besonders der Markt hat es uns angetan. Die Atmosphäre des Kimironko-Marktes war in sofern besonders, da er Obst und Gemüse, über Baumaterialien bis zu Stoffen, Schneiderkunst und Schnickschnack alles zu bieten hatte.

Im Genozid-Memorial setzten wir uns mit der traurigen Vergangenheit des Landes durch den Genozid im Jahr 1994 auseinander. Innerhalb kürzester Zeit starben unzählige Menschen, sodass nahezu eine gesamte Generation fehlt, was sich heute an dem extrem jungen Alter der Bevölkerung bemerkbar macht. Um daran zu erinnern und den verstorbenen Menschen zu gedenken, wurde das Memorial mit einem Museum eröffnet. Es befasst sich primär mit dem Genozid in Rwanda, aber auch mit anderen Völkermorden in anderen Ländern.

An einem anderen Tag begleiteten wir Ida zu ihrem Projekt. Sie arbeitet dort hauptsächlich mit Straßenkindern zusammen und leitet Spielenachmittage oder Mädchengesprächsrunden. Um dieses Projekt zu tragen, wird nun ein Cafe eröffnet, welches jedoch in den Startlöchern steht. Uns hat dieser Tag besonders gut gefallen, da er unsere Sicht auf vielseitige Weise erweitert hat.
Juli_2017_7059.jpgUnsere letzte große Aktivität verschlug uns in die Berge. Rwanda wird auch das Land der tausend Hügel genannt und so erklommen wir motiviert und zielstrebig in der prallen Mittagssonne den Mount Kigali am Rande der Stadt. Roter Sandstaub wurde zu unserem ständigen Begleiter und fand seinen Weg durch Schuhe und Socken, bis er sogar die Haut verfärbte. Waren wir doch zielstrebig, machte sich unsere Ziellosigkeit bald bemerkbar. Eigentlich wollten wir nur auf die Spitze wandern, um den genialen Ausblick zu genießen. Stattdessen schlenderten wir durch Straßen und Gassen auf staubigen Pfaden, bis wir die Spitze nach einem kurzen Abschnitt im Wald erreichten. Leider hörte, wie es unser Glück so will, der Wald nicht auf, sodass wir eine super Aussicht ins nahe Unterholz hatten. Die Bewegung tat uns gut, weshalb wir den Wanderausflug dennoch als Erfolg ansahen.

Am Abend trafen wir uns zudem mit einem weiteren Freiwilligen zum Kino.
Und so endete unser Abenteuer Kigali um vier Uhr in der Frühe, als unser Reisebus die Stadt verließ. Um ein Uhr Nachts erreichten wir unglücklicherweise erneut einen unkomfortablen Coaster nach Iringa.
Auch wenn wir sehr viel Zeit im Bus verbrachten, hat sich die Reise total gelohnt.

Zurück in Iringa blieben mir nur noch wenige Tage. An einem Tag besuchte ich Freiwillige in einem nahe gelegenen Kinderdorf und half beim Computerunterricht und spielte am Nachmittag mit den Kindern. Außerdem ging es immer wieder in die Stadt und in die Umgebung, um diese zu erkunden.

Die fast drei Wochen in Tansania und Rwanda habe ich sehr genossen und bin mit einigen Erfahrungen nach Südafrika zurück gekommen.

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