This is Africa

07.09.2016 - Vor nicht allzu langer Zeit sind Becci und ich zu einem „Braai“ bei unserer Mentorin eingeladen worden. Braai ist die südafrikanische Form eines Barbecues. Dabei wird sehr viel Fleisch über einem Holzfeuer gegrillt. Holzkohle ist bei einem Braai nämlich sehr verpöhnt, denn damit würde der Prozess der Zubereitung viel zu schnell gehen. Das Miteinander und die Zeit die man gemeinsam verbringt spielen die größte Rolle.

Bei unserem Braai kam das Gespräch mehrfach auf die kulturellen Unterschiede zwischen Deutschland und Südafrika.

Der erste große Unterschied ist die Freundlichkeit und Offenheit. Egal wo man hinkommt und wen man trifft, der erste Satz ist immer „Hello, how are you?“ (eher: Hellohowareyou? Oder auf Afrikaans: Dag, hoe gaan dit?). Zu antworten ist dabei immer mit „Hello, I'm fine. How are you?“ (oder auf Afrikaans: Baie goed, dankie. En met jou?). Gut ist bei der Begrüßung die einzig akzeptable Antwort und die Menschen reagieren eher verwirrt, wenn man mit „Ich bin krank/ habe schlecht geschlafen usw.“ antwortet. Ob die Frage nach dem Befinden tatsächlich ehrliche Freundlichkeit ist, oder nicht doch eine einfache Phrase, kann ich noch nicht beurteilen. Ich weiß nur, dass es mir zunächst schwer viel einfach zu antworten, anstatt sich eine ehrliche Meinung zurecht zulegen.

 

Über die Pünktlichkeit in afrikanischen Ländern gibt es in Deutschland viele Vorurteile und Klischees, genauso ist es natürlich auch anders herum. Becci und ich haben noch keine großen Erfahrungen mit besonderer Unpünktlichkeit gemacht, aber uns wurde gesagt, dass es doch öfter vorkommt. In der Schule findet jedenfalls alles immer pünktlich statt. Nur über eine Situation stolpern wir immer wieder. Egal wie spät wir morgens ins Lehrerzimmer kommen, wir sind immer die ersten. Auch, wenn wir sehr knapp dran sind, warten wir immer noch kurz auf die anderen Lehrer. Wir bleiben wohl doch die pünktlichen Deutschen.

 

this_is_africa_strasse.jpegUnd dann ist da noch der Verkehr. Südafrika ist eine Autonation. Öffentliche Verkehrsmittel gibt es, bis auf die Taxis, kaum und es wurde uns aus Sicherheitsgründen davon abgeraten damit zu fahren. Jeder hier hat ein Auto und das wird auch großzügig genutzt, egal ob für kurze Strecken oder längere. Die Entfernung wird auch ganz anders definiert als in Deutschland. Die Menschen sagen: Ich wohne direkt bei Port Elizabeth, obwohl die Stadt eigentlich noch 100 km entfernt ist. Aber Städte und Dörfer sind weit verstreut und wenn man von einem Ort zum nächsten fährt, dann fährt man mindesten eine halbe Stunde durch Niemandsland. Der Verkehr ist auch ein bisschen wilder. Es wird viel überholt und rasanter gefahren. An vielen Ecken sieht man Anhalter und Menschen laufen an den Seiten der Landstraße entlang. Rote Ampeln sind eher eine Empfehlung, auch aus Sicherheitsgründen.

Es wurde schon gelacht, als ich gesagt habe, dass in Deutschland Menschen ihr Führerschein abgenommen werden kann, wenn sie sich auf dem Fahrrad nicht an die Verkehrsregeln halten. Das würde es hier nicht geben.

 

Der letzte große Unterschied ist das Essen. In Südafrika gibt es viel Fleisch, eigentlich immer und überall und die Menschen sehen Fleisch als Grundsatz ihrer Kultur an. Ich habe hier schon oft gehört, dass südafrikanisches Fleisch das Beste der Welt sei und es kann vorkommen, dass man gefragt wird „Fleisch oder Chicken?“ Zum Glück kochen Becci und ich für uns selber, denn sonst würde mein Speiseplan fast nur aus Fleisch bestehen, obwohl das, was ich probiert habe wirklich sehr gut und lecker war.

Obwohl ich es nicht erwartet hätte, habe ich wirklich richtiges Brot vermisst, aber wir haben hier eine gute Alternative gefunden. Rooibosbrot kommt wirklich nah an Graubrot heran und schmeckt großartig. Rooibostee ist auch der einzige Tee, den man hier neben schwarzem Tee bekommt. Selbst Tee, auf dessen Verpackung ein anderer Geschmack versprochen wird, ist eigentlich nur Rooibostee mit Geschmacksverstärkern. Zum Glück trinke ich Rooibostee echt gerne und zum Glück habe ich noch ein paar meiner Lieblingsteebeutel aus Deutschland mitgenommen.